Mercedes 190e
Mercedes 190e

Wie kommt man zu einem Mercedes Benz 190e?

Vielleicht fragen sich manche Menschen, warum man in Zeiten des Fortschritts zu einem alten Auto hält.

Meine Geschichte dazu beginnt im April 1990, damals noch DDR aber schon nach dem Mauerfall, ich war gute 12 Jahre.

Eine Zeit des Um- und Aufbruch, oder wie ich im Nachhinein sagen würde: Wilder Osten.

Die erwachsene Tochter und ihr Freund meiner damaligen Nachbarin, hatten in Windeseile einen Getränkehandel eröffnet, der anscheinend sehr gut lief. Jedenfalls so gut, dass sie sich einen (für mich jedenfalls) nagelneuen Mercedes 190e in Braunmetallic leisten konnten. Immer auf dem Weg zur Schule lief ich daran vorbei und schaute durch die Scheibe auf das Tacho. 220 Kmh stand da drauf, also konnte er auch 220 Kmh fahren, war ja klar, kommt ja aus dem Westen:) Ein paar Tage vergingen, da boten mir die Besitzer des Autos und Inhaber des Getränkehandels an, ich könne ein wenig mit arbeiten, Flaschen sortieren und so, ein- zweimal die Woche. Ich weiß nicht mehr wie viel ich dabei verdient habe, durfte aber im Mercedes mitfahren und für jemanden der bis dato nur im Trabant (mit)gefahren ist, kam das vor wie in einem Raumschiff.

Mercedes

Mein erstes mal im Mercedes

Ich saß auf dem Beifahrersitz und hab mir mein staunen nicht groß anmerken lassen, aber ein blinkendes Licht, vor dem (Achtung!) Elektrischen Schiebe- und- Klappdach - Schalter, was anzeigte das man sich anschnallen soll, war schon was!

Wir fuhren los und alles klang so anders, so ruhig, so gediegen, dabei habe ich das Gerede der Fahrerin gar nicht richtig mitbekommen, die selber schwärmte wie toll er sich fahren lässt. Aber es war schon eine ganz andere Klasse (wäre zu dieser Zeit aber auch jeder Escort für mich gewesen), man schwebte fast über die holprigen Straßen des wilden Ostens, kein "rängdengdengdeng" und kein quietschen.

Die Musik kam von überall

Statt dessen Musik von Kassette, eine Beschallung wie ich sie noch nie vernommen habe, die Musik kam von hinten und von vorn, von links und von rechts.

Es war unglaublich.

Das wir über 100 Kmh fuhren, merkte man sowas von nicht, es kam einem so vor das die anderen Verkehrsteilnehmer, die vorwiegend noch Trabant und Wartburg fuhren, parken würden.

Als wir nach viel zu kurzer Fahrzeit angekommen waren, hingen meine Gedanken die ganze Zeit bei diesem Auto und ich schwor mir, eines Tages auch mal so ein Auto zu fahren...